Sharka auf der Xplore 2006

Was ist die xplore?
"xplore" stellt ungewöhnliche Menschen vor, die mit dem Phänomen Sexualität spielen, arbeiten und forschen und dabei oft erstaunliche Techniken und Rituale entwickelt haben. Diese Formen sind so vielfältig wie die Sexualität selbst. Sie sind spiritueller Weg oder Teil therapeutischer Arbeit, sie entstehen aus ästhetischen Absichten oder auf der Suche nach Grenzerfahrungen, sie dienen ekstatischen Zwecken oder der meditativen Entspannung. Meistens aber geht es um die pure Lust.

Gemeinsam ist all diesen Formen das Spielerische, Kommunikative, Kreative und Öffentliche. Sie repräsentieren eine andere sexuelle Kultur. Sie sind Kunst mit Körper und Seele.

"xplore" möchte Anstösse geben, Ideen und Bilder. Es wirbt für einen intelligenten, toleranten und spielerischen Umgang mit Sexualität. "xplore" richtet sich an unkonventionell denkende und liebende Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, Szenen und Subkulturen. Um sich untereinander auszutauschen und um voneinander zu lernen.

Sharka gab Ende Juli 2006 3 Workshops auf der Xplore in Berlin

Spiel mit Altersunterschied
Dominanz / Unterwerfung
Gefangenschaft

Es war sehr spannend und inspirierend für mich, diesmal bei der xplore dabei zu sein. Meine drei Workshops haben mir sehr viel Freude bereitet und auch für mich war all das ein Experiment, bei dem es mir vor allem darum ging, meine unterschiedlichen Erfahrungsebenen mit S/M und Therapie zu vernetzen.

Das Spiel mit den Altersunterschieden habe ich sehr unkonventionell gestaltet und habe die Klischees von Babyspielen, Schulmädchenrollen, Zögling etc. gar nicht bedient. Viel mehr habe ich mir erlaubt, durch meine Angebote, den "Verstand" (der ja gerne von "richtig und falsch" kommt und dem, wie man etwas zu machen hat) der TeilnehmerInnen etwas zu verwirren und anzuregen in eine sehr sinnliche und lustvolle Qualität von Spielen einzutauchen, so wie Kinder das noch haben, wenn sie absichtslos spielen. Das ist gut gelungen, wenn auch von den anfangs mindestens 40 Teilnehmern zum Schluss nur noch etwa 30 im Raum waren. Diese jedoch waren wirklich deutlich verjüngt. Manche stießen dabei auch auf ganz wesentliche Themen und Erkenntnisse und so hat sich besonders in diesem Workshop auch meine therapeutische Fähigkeit gezeigt.

Hoch her ging es beim Thema weibliche Dominanz - männliche Unterwerfung. Etwa 70 TeilnehmerInnen kamen zu diesem Angebot und blieben bis zum Schluss im Raum. Ich habe den Eintritt ritualisiert gestaltet. Die Männer mussten schon am Eingang Zeichen der Unterwerfung setzen und auf allen Vieren in den Raum kriechen. Die Frauen wurden mit Handschlag willkommen geheißen und konnten regelrecht über die Schwelle schreiten in ein Reich, in dem die Frauen herrschen und die Männer Untertanen sind. Das war simpel und wirkungsvoll. Am deutlichsten wurde mir während der Zeit in dem Reich der Frauenherrschaft bewusst, wie schwierig es uns Ladies immer noch fällt, wirklich von uns und unserer Lust auszugehen und wie schnell wir bereit sind, dem Sklaven Gutes zu tun und seine Erwartungen zu erfüllen. Hier scheint die über viele Generationen eingeübte Rollenverteilung nach wie vor Wirkung zu zeigen. Doch immer wieder gab es aufregende Ansätze der Ladies, ihre eigene Lust zu leben und ihren Impulsen zu folgen. Hier habe ich persönlich Lust auf mehr bekommen und setze mich zur Zeit damit auseinander, mal in Stuttgart ein längeres Workshop mit dem Thema anzubieten. Es ist wirklich sehr gehaltvoll, was es da zu erleben und erforschen gibt.

Das Thema Gefangenschaft hat dann auch nur die ganz Mutigen angesprochen. Auch hier wurde am Eingang schon klar gemacht, dass der Eintritt in den Raum das Betreten eines Gefängnisses ist und dass das bedeutet, dass die Gefangenen nicht vor den 90 Minuten den Raum wieder verlassen werden. Schon an der Schwelle wurden dann die Metallfesseln angelegt. Erstaunlich war, dass es auch einige Frauen gab, die sich gefangen nehmen lassen wollten. Außerdem waren neben meiner Assistentin Laima drei weitere Frauen anwesend, die sich als Gefängniswärterinnen engagierten. Eine tolle Sache, denn so hatten wir einige Gestaltungsmöglichkeiten der Bestrafung und des Drills. U.a. haben wir Gefangene andere Gefangene bestrafen lassen, was sicher reichlich Überwindung gekostet hat. Es gab andere Maßnahmen wie Einzelinhaftierung, Zusammenfesseln zweier Gefangener, öffentliche Strafszenen usw. Zum Schluss kündigte sich schon etwas wie eine Rebellion an, die jedoch leicht zu vereiteln war. Von manchen Gefangenen kam die Rückmeldung, dass wir noch mehr und Extremeres mit ihnen hätten machen können. Doch darum ging es ja nicht, denn Gefangenschaft ist kein Entertainment durch die Wärterinnen, sondern mitunter auch ein einfach auswegloses "Vor sich hin Vegetieren müssen" und auf sich selbst zurück geworfen sein in der Bewegungslosigkeit.

Wer mehr erfahren will, darf sich gerne an mich wenden.
Sharka
2. August 2006